Home
 
 
Informationen zu Hirntumoren

Wichtige Vorbemerkung:
Im Verlauf der Krankheit unserer Tochter haben wir uns mit der Krankheit "Hirntumor" auseinandergesetzt und Informationen gesammelt, um bei Entscheidungen bezüglich der Behandlung informiert zu sein und auch mitentscheiden zu können. Diese Informationen waren für uns sehr wichtig. Wir möchten unser Wissen hier zusammentragen, um anderen Betroffenen einen ersten Überblick zu geben. Natürlich sind diese Informationen unvollständig; wir bemühen uns um sachliche Richtigkeit.
Keinesfalls ersetzen sie das Gespräch mit dem Arzt. Der behandelnde Arzt ist und bleibt der beste Ratgeber! Das Einholen von Zweitmeinungen ist jedoch grundsätzlich zu empfehlen.
Wir hoffen mit unseren Informationen erste Hilfestellungen geben zu können.

Wie häufig sind Hirntumore?

Im Vergleich zu anderen Tumorarten sind sie relativ selten. In Deutschland geht man von etwa 8000 Neuerkrankungen pro Jahr aus, dies entspricht etwa dem Verhältnis 1 zu 10000. Die Anzahl der an einem bösartigen Hirntumor neu erkrankten Kinder und Jugendlichen beträgt etwa 350 pro Jahr in Deutschland (Stand: 2002).
Trotz oder gerade wegen dieser Tatsache bewirkt die Diagnose häufig einen Schockzustand bei den Betroffenen. Ohne sich jemals vorher mit dieser Thematik auseinander gesetzt zu haben müssen in Absprache mit den behandelnden Ärzten schnelle und wichtige Entscheidungen getroffen werden, in die viele Spezialisten einbezogen werden.
Je besser der Patient oder die Angehörigen informiert sind, um so besser können sie in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Was ist ein Hirntumor?

Nur der geringere Teil der Zellen im Gehirn sind Nervenzellen. Bisher ging man davon aus, dass die Nervenzellen sich nicht regenerieren, d. h. sie unterliegen also nicht der Zellteilung und können somit auch (fast nie) die Ursache eines Tumorwachstums sein. In den letzten 5 Jahren hat man jedoch herausgefunden, dass es um das Ventrikelsystem herum Zellen gibt, die sich durchaus nach der Geburt noch teilen können.

Die Stützzellen des Gehirns (Gliazellen), die dafür sorgen, dass das Netzwerk der Nervenzellen überhaupt erst funktionieren kann, erneuern sich jedoch regelmäßig, d. h. sie teilen sich. Wenn die Zellen die Fähigkeit verlieren, ihr Wachstum zu steuern und das "normale" Wachstum zu einem "unkontrollierten" Wachstum wird, setzt (normalerweise) das körpereigene Abwehrsystem ein, um diese unkontrollierte Wachstum einzudämmen. Funktioniert dieser Abwehrvorgang nicht, bilden die unkontrolliert wachsenden Zellen nach mehr oder weniger langer Zeit eine Masse, die man Tumor nennt.
Die dem Schutz des Gehirns dienenden Schädelknochen können einer solchen "Raumforderung" beim größeren Kind und beim Erwachsenen nicht nachgeben. Durch das zunehmende Wachstum und den sich dadurch aufbauenden Druck in der Schädelkapsel können wichtige Funktionen des Gehirns in Mitleidenschaft gezogen werden und es kann zu Fehlfunktionen kommen. Dabei spielt nicht nur die Größe des Tumors, sondern auch seine Lage eine entscheidende Rolle.

Arten von Hirntumoren

Insgesamt unterscheidet man etwa 100 verschiedene Arten von Gehirntumoren.
Tumore, die im Gehirn direkt ihren Entstehungsort haben, nennt man primäre Hirntumore. Sekundäre Hirntumore haben ihren Ursprung an anderer Stelle im Körper und stellen eine Metastase (Tochtergeschwulst), also eine Streuung des Ursprungstumors dar und wachsen dann innerhalb des Gehirns weiter.

Gutartige und bösartige (maligne) Hirntumoren

Man trifft die Unterscheidung in gutartige und bösartige Tumoren im Hinblick auf das den Tumorträger zu erwartende Schicksal. Gutartige Tumoren verursachen nur in Ausnahmefällen den Tod des Patienten, bösartige Tumoren jedoch in der Regel, sofern der Tumor - etwa durch verschiedene therapeutische Maßnahmen - nicht radikal entfernt wurde. Gutartige (benigne) Tumore sind dadurch gekennzeichnet, dass sie keine Metastasen bilden, nicht in das sie umgebende Gewebe eindringen ("infiltrierendes Wachstum") und meist nur langsam wachsen; bösartige (maligne) Tumoren bilden immer Metastasen - wenn sie genügend Zeit haben - , wachsen in das sie umgebende Gewebe ein und zerstören es dabei. Im Gegensatz zu gutartigen Tumoren wachsen sie in der Regel auch schneller.

Die Unterscheidung in gutartige und bösartige Tumore ist dagegen in gewisser Weise irreführend, wenn man von Hirntumoren spricht. Auch gutartige Tumoren des Gehirns können z. B. aufgrund ihrer Lage oder ihres ungebremsten Wachstums lebensbedrohend sein. Die Bezeichnung "gutartig" bezieht sich also bei Hirntumoren in erster Linie auf den Zelltyp, nicht jedoch auf das den Tumorträger zu erwartende Schicksal und etwaige Behandlungsmöglichkeiten.

Außerdem gibt es einige Tumortypen (Mischtypen), die sich im Laufe der Zeit zu bösartigen Tumoren verändern können (z. B. Astrozytome). Allerdings ist das nicht die Regel. Es ist nicht typisch für Hirntumore, dass sie "bösartiger" werden und immer mehr in das Gehirn infiltrieren. Bei den meisten Hirntumoren findet man ein einheitliches Zellbild.

Graduelle Einteilung der Gut- oder Bösartigkeit bei Hirntumoren

International (WHO) hat man sich bei der Einteilung von Hirntumoren auf eine Skala von I bis IV geeinigt. Ein Hirntumor der Stufe I gilt als gutartig (benigne) - mit der oben genannten Einschränkung bzgl. der Bedeutung von Gutartigkeit bei Hirntumoren -, ein Tumor der Stufe IV gilt als bösartig (maligne). Allerdings kommen auch Mischformen vor. So kann ein Tumor Grad II auch Anteile von einem Grad III-Tumor haben.
Manchmal sind selbst die entnommenen und histologisch untersuchten Gewebeproben nicht eindeutig. So wurde bei unserer Tochter die Gewebeprobe einmal als Grad III-Tumor und im Referenzgutachten als Grad IV-Tumor eingestuft.

Risikofaktoren und Ursachen

Grundsätzlich: Jeden kann es treffen! Zwar gibt es Tumoren, die überwiegend im Kindes- und Jugendalter auftreten, aber es gibt genau diese Tumoren auch bei Erwachsenen. Umgekehrt gilt das Gleiche. Unsere Tochter hatte einen Tumor (Glioblastom), der überwiegend im Erwachsenenalter (4. - 6. Lebensjahrzehnt) auftritt.
Auch die Ernährung, der Beruf, das Geschlecht, klimatische Bedingungen, Wohlstand und andere mögliche Auslöser konnten bisher nicht signifikant bestätigt werden.
Man geht zur Zeit eher davon aus, dass bei vielen Hirntumoren u. a. auch lokale Faktoren eine Rolle spielen, d. h. dass es an bestimmten Orten gehäuft zu Fehlbildungen während der vorgeburtlichen Entwicklung von Hirn und Rückenmark kommt und diese Fehlbildungen dann zu Ursprungsorten einer Tumorentwicklung im späteren Leben werden.
Ein erblicher Faktor ist bisher nur für ganz wenige Tumoren nachgewiesen. Auch exogene Faktoren (Unfälle o. ä.) scheinen bei der Tumorentwicklung keine Rolle zu spielen.

Links:
medicine-worldwide.de

Deutsche Hirntumorhilfe

 
   ©2004 •  mail@bunterschmetterling.de